Monats Archiv: August 2016

Traumapädagogik für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Schule

Wenn Kinder und ihre Familien nach der Flucht in Deutschland ankommen, haben die beängstigenden Erlebnisse von Krieg und Verfolgung scheinbar ein Ende. Sicherheit und Orientierung sind meist aufgrund dieser belastenden Ereignisse gravierend erschüttert. Die Kinder und ihre Eltern müssen enorme Anstrengungen vollbringen, um Zuversicht und Stabilität zurückzugewinnen. Gesundheitliche Probleme, schlechte Unterbringungsmöglichkeiten, fehlende Sprachkenntnisse, geringe finanzielle Ressourcen und kulturelle Unsicherheiten können diesen Weg insbesondere für Kinder erschweren und verhindern, traumatische Erlebnisse frühzeitig aufzuarbeiten. Daher brauchen diese Kinder unseren Schutz, unser Willkommen und unsere Unterstützung. Dabei nehmen die Fachkräfte in Kita, Schule sowie im Freizeitbereich eine wesentliche Rolle ein.

Die Fachkräfte in den Bildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen werden vor große Herausforderungen gestellt. Einerseits müssen sie die Integration der Kinder in Bildungs-, Förder-, Unterstützungs- und Hilfsangebote kultursensibel gestalten und andererseits die institutionelle Gesundheitssorge stärken. Gelingt dies, können die Kinder die Institutionen mit ihren Personen und Angeboten als sichere Orte erleben. Sie erhalten aber auch im erzieherischen Alltag Gelegenheit, die Orientierung zurückzuerlangen, die gebraucht wird, um die erforderlichen Integrationsleistungen zu vollbringen. Dies erfordert aber auch von den Fachkräften der Einrichtungen ein fundiertes Wissen über Traumata und die Einordnung von Reaktions- und Verhaltensweisen der Kinder, deren Gründe im Erleben gravierender Erfahrungen von Krieg, Verfolgung und Flucht begründet sind.

Es gilt daher, den Fachkräften des Bildungs- sowie Kinder- und Jugendhilfesystems traumapädagogische Handlungsweisen vorzustellen und darüber nachzudenken, wie diese in den Alltag implementiert werden können, um eine gute Entwicklung für Kinder nach deren Flucht auch tatsächlich zu ermöglichen. Durch die Vermittlung von Kenntnissen über Lebenswelten und Kulturen der Menschen, die zu uns kommen, sollen die Fachkräfte ihre kultursensiblen Arbeitsansätze weiterentwickeln, um den Zugang zu den Familien nach ihrer Flucht zu gestalten, und ggf. die entsprechende Hilfe vorzustellen bzw. vermitteln zu können, aber auch Bildungspartnerschaften zu begründen.

Der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V. möchte daher eine bundesweite Fortbildungsoffensive starten, die die Fachkräfte in den Einrichtungen, in denen sich Kinder aufhalten, in die Lage versetzen, Signale von Kindern zu erkennen, diese fachgerecht zu verstehen, sensibel auf deren Bedürfnisse einzugehen und angemessen darauf zu reagieren. Denn nur so ist der Start in ein neues Leben gut möglich.

Die Fortbildungsveranstaltungen wurden auf der Grundlage des Konzeptes: „Sehen – verstehen – angemessen handeln – traumatisierte (Flüchtlings-)Kinder in der Kita gut begleiten und integrieren“ des DKSB LV Schleswig-Holstein e.V. weiterentwickelt. weiterlesen »