Trotz getrennter Wege Mutter und Vater bleiben

Am 10. und 11. März berieten in Naumburg ca. 250 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet wie es gelingen kann, das Recht der Kinder auf Mutter und Vater trotz deren Trennung zu gewähren. „Elternkonsens – Wenn zwei sich streiten… was braucht das Kind?“ war die zentrale Fragestellung für die Teilnehmer aus den Bereichen Justiz, Psychologie, Sozialpädagogik und Pädagogik. Der Veranstalter, der Kinderschutzbund Burgenlandkreis e.V. präsentierte zu Beginn die Zwischenauswertung einer Studie des Fokus-Instituts Halle. 1115 Kinder und Jugendliche des Burgenlandkreises zwischen 8 und 16 Jahren wurden u.a. nach Zufriedenheit mit ihrem Leben, Beteiligung in der Familie, insbesondere inwieweit ihre Meinung von den Eltern erfragt und auch beachtet wird sowie nach Trennungserfahrungen befragt. Frau Dr. Chrappa betonte, dass die Kinder und Jugendlichen hier in der Region offensichtlich überdurchschnittlich akzeptierte Wohlfühlorte und sichere Bezugspersonen haben, die es ihnen ermöglichen, in akuten Lebenskrisen – und die Trennung von Eltern ist immer auch für Kinder, egal wie alt, eine Lebenskrise – aufgefangen zu werden, Trauer und Schmerz zu verarbeiten. „Es ist nicht unsere erste Studie zu Wohlfühlorten und Gefährdungspotentialen für Kinder in diesem Landkreis. Man spürt hier den Veränderungswillen einer gesamten Region!“, lobt die Wissenschaftlerin Politik, Verwaltung und Gesellschaft.

Veränderungswillen entsteht durch Leidensdruck und/oder durch hinreichende Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Vom Bundeskongress Elternkonsens geht 250facher Veränderungswille aus, nämlich jener der Teilnehmer, die sich einig sind, dass Eltern durch die Professionen befähigt werden können, selbst eine Lösung für ihre Kinder zu finden, also auch für die Zeit nach der Trennung Mutter und Vater zu bleiben. „Vier von 5 Elternpaare kriegen das auch heute schon prima hin, da muss auch gar nicht gesondert vor Gericht über Aufenthaltsbestimmungsrecht, Sorge- oder Umgangsrecht prozessiert werden. Aber für jene, die sich erbitterte Beziehungsschlachten liefern, die völlig ausblenden, dass sie sich einmal sehr geliebt haben und  diese Liebe von Kindern gekrönt wurde, für jene müssen wir gemeinsam Wege und Verfahren finden, die ihre verschütteten Mutter- und Vatergefühle wieder an die Oberfläche holen, die sie selbst erkennen lassen, was ihre Kinder brauchen. Nämlich auf keinen Fall den Verlust der Bindung zu und der Zeit mit einem Elternteil!“, so Wolfgang Berzau, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Burgenlandkreis und des Landesverbandes.

Es gibt keinen besseren Kinderschutz, als die Eltern zu stärken, auch wenn sie getrennte Wege gehen wollen. Familiengerichtsbarkeit und die Kinder- und Jugendhilfe bilden den Rahmen dafür, dass Mutter, Vater und Kind bzw. Kinder gemeinsam eine für ihre Familiensituation passende Lösung dafür erarbeiten, die dem Kinderrecht auf Mutter und Vater entspricht. In der Umsetzung ist auch für die Fachleute aus den unterschiedlichen beteiligten Professionen noch viel Pionierarbeit zu leisten, worauf der Naumburger Kongress Lust gemacht hat.

Viele Mütter und Väter im Trennungsprozess können es sich zunächst nicht vorstellen, dass  sie auch weiterhin gemeinsam für ihre Kinder da sein können. Wer kein „Modell“ im Freundes- oder Bekanntenkreis dafür vor Augen hat, kann sich in Beratungsstellen informieren. Wer sich aussprechen möchte, kann z.B. kostenfrei und gern anonym das Elterntelefon des Vereins Nummer gegen Kummer e.V. anrufen: 0800 111 0550. Allgemein gilt: bevor trennungswillige Eltern einen Anwalt kontaktieren, sollten sie im Interesse ihrer Kinder und deren Wohl einen Kinderschützer befragen, wie er zusätzliches Leid von seinem Kind fernhalten kann, der Schmerz um den Verlust der vertrauten Familienkonstellation ist schon Belastung genug. Aber der kann heilen. „Rosenkriegs-Verletzungen“ sind leider noch viel zu oft Dauerschäden.