Klarheit, die Kinder brauchen

logo_mail7. Bundeskongress Elternkonsens – Wenn zwei sich streiten, was braucht das Kind?!“ erfolgreich verlaufen

4 Impulsvorträge, 19 Workshops, jede Menge Kleingruppengespräche zwischen Juristen, Mediatoren, Psychologen, Sozialpädagogen und vielen anderen Fachkräften drehten sich vorrangig um die These „Professionalität beginnt mit der Anerkennung der eigenen Grenzen“. Wenn Kinder mittendrin sind im Rosenkrieg ihrer trennungswilligen Eltern ist dies gleichermaßen traurig und belastend. Abhängig vom Entwicklungsstand und verfügbaren weiteren Bezugspersonen „überstehen“ sie die hochemotionale Trennungsphase und arrangieren sich mit der veränderten Lebenssituation. Vorausgesetzt, sie werden altersgerecht und ehrlich über die bevorstehende Veränderung  in der Familie informiert und beteiligt.

Übereinstimmend schätzten die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, dass es sehr hilfreich war, zu erfahren, unter welchem Blickwinkel andere im System der Hilfen für Familien im Trennungs- und Scheidungsprozess beteiligte Fachkräfte Kindeswohl-gefährdung bewerten. Vieles, was in den sehr guten Impulsvorträgen gesagt und in den Workshops diskutiert wurde, habe man schon einmal gehört, es wurde jedoch in neue Zusammenhänge gebracht. Es war wichtig, dies wieder einmal ins Bewusstsein zu rücken und sich darüber Gedanken zu machen was Kinder wirklich brauchen.

Klarheit! Das scheint ein Schlüsselwort zu sein. Klarheit für die Kinder, damit sie die Situation besser einschätzen können und um sich auf die bevorstehenden Veränderungen einstellen. Klarheit bedeute nicht, dass sie damit automatisch beruhigt oder gar glücklich wären, aber sie helfe, sich nicht die Schuld an der Lebenskrise der Familie zu geben und auszuprobieren, ob ein verändertes eigenes Verhalten dazu beitragen könnte, das „alles wieder gut wird“… Dies betonten die Kinder- und Jugendpsychologen. Viele Familien bekommen dies schon sehr gut hin, haben in elterlicher Verantwortung auch in der Trennungsphase ihre Kinder im Blick. Der Fokus des Bundeskongresses lag auf jene Familienkonstellationen, die schon vor den Trennungsabsichten problembelastet waren; etwa durch gesundheitliche Einschränkungen in der Familie, einen Pflegefall oder durch häusliche Gewalt, Sucht oder andere das Kindeswohl beeinträchtigende Faktoren.

„Kindeswohlgefährdungen entstehen seltener direkt durch die Trennung der Eltern. Die Folgen bilden die Risikofaktoren. Kinder brauchen deshalb dringend die Klarheit der Fachkräfte, in welcher Weise das Kindeswohl Vorrang haben muss“, resümierte Wolfgang Berzau, Landesvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB).

Ist für Richter, Gutachter, Beteiligte im Hilfekonzept wirklich erkennbar was in dem Kind vorgeht wenn Eltern ihre Erziehungsverantwortung nur noch stark eingeschränkt wahrzunehmen in der Lage sind? Welche Professionen können über die Moment-aufnahme hinaus beurteilen, ob die gesunde Entwicklung des Kindes gefährdet ist? Unstrittig war unter den Teilnehmern, dass interdisziplinäre Teams vor Ort gebraucht werden. Nicht zufällig, sondern als eine strukturell verankerte Ressource.

„Wir haben die Netzwerke Kinderschutz flächendeckend in Sachsen-Anhalt. Wir halten es für denkbar, Netzwerke Elternkonsens an diese Strukturen anzugliedern. Die aus allen Regionen Sachsen-Anhalts beteiligten Fachkräfte haben quasi die Selbstverpflichtung mitgenommen, sich dafür stark zu machen.

Wir als DKSB werden zeitnah die Grundlagen schaffen, um diese ganz praktische Idee umsetzen zu können“, so Landesvorsitzender Wolfgang Berzau.

Ministerin Anne-Marie Keding hat als Schirmherrin bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. „Pate“ steht u.a. das Land Baden-Württemberg, wo es seit einigen Jahren bereits regionale multiprofessionelle Teams gibt. Der Vertreter dieses Bundeslandes verwies auf erste erkenn- und messbare positive Veränderungen in der gerichtlichen Verfahrensgestaltung zum Wohle der Kinder.