Kinderschutzbund Sachsen-Anhalt fordert mehr Fachkräfte und mehr finanzielle Mittel für den Kinderschutz im Land

Zum Tod des zweijährigen Tim in Querfurt:

Laut Statistischem Landesamt sind allein die Verdachtsmeldungen wegen Kindeswohlgefährdung von 2018 zu 2019 um rund zehn Prozent gestiegen. Allein diese Zahl macht deutlich, dass die zuständigen Mitarbeiter mehr Einzelfällen nachgehen müssen. „Wer den Vorrang des Kindeswohls will, der muss auch die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit wollen und der muss selbstverständlich die zuständigen Institutionen in die Lage versetzen, jede einzelne Meldung fachlich und gründlich prüfen zu können und ihr nachgehen zu können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jugendämtern tragen eine hohe Verantwortung und machen einen guten und wichtigen Job. Aber auch sie sind nicht unbegrenzt belastbar. Seit 2012 steigen allein die Verdachtsmeldungen stetig an, die Mitarbeiterzahl jedoch nicht. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es leider wohl nie, aber danach zu streben ist unsere gemeinsame Pflicht!“, so Geschäftsführerin Andrea Wegner.

Bereits in zahlreichen Interviews und Stellungnahmen ermutigte Wegner die um Kinder besorgten Bürgerinnen und Bürger, in ihren Bemühungen um Hilfe für diese Kinder und ihre Familien nicht nachzulassen: „Man bekommt ja nicht automatisch eine Rückmeldung über das Prüfergebnis. Aber wenn sich in den Beobachtungen am Kind wochenlang nach einer Verdachtsmeldung nichts ändert, macht es Sinn, noch einmal aktiv zu werden.“ Es gebe laut der Geschäftsführerin meist noch eine höhere Instanz, die informiert werden könne und wohin man ggf. auch Beschwerden richten könne, wenn augenscheinlich nichts passiert in dem angezeigten Fall. Bürgermeister, Landräte, Kommunalvertreter seien da ebenso gefordert, wie Mitglieder des Kinderschutzbundes. „Wir fungieren nicht selten als Ombudsstelle und bemühen uns um gute Lösungen vor Ort. Für das notwendige ‚Mehr‘ an vorbeugender Kinderschutzarbeit vor Ort und einheitlichen Qualitätsstandards in den Regionen wünschen wir uns seit Jahren ein Kinderschutzzentrum mit einem fachlich gut aufgestellten interdisziplinären Team, das vor allem auch in den ländlichen Regionen unterwegs sein kann, aufklärt und Eltern sowie Fachkräfte gleichermaßen stärkt“, führt Wegner weiter aus. Dem Kinderschutzbund ginge und gehe es nie vorrangig um Kontrolle von Familien oder Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, sondern um gemeinsame Lösungen für Probleme vor Ort. Je früher diese erkannt und benannt werden, desto schneller werde es besser für alle Beteiligten. Sobald der neue Kinderbeauftragte des Landes, Herr Holger Paech, seine Arbeit aufnimmt, werde man sich über weitere Schritte in diese Richtung verständigen.

Zu Landrat und Jugendamtsleitung des Saalekreises sowie zu Bürgermeister Andreas Nette in Querfurt hat der Kinderschutzbund Kontakt aufgenommen und Unterstützung in dieser Krisensituation angeboten: „Wir können uns nur zu gut vorstellen, was ein solcher Fall mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kontext Kinderschutz – Polizei inklusive – in der Kommune macht. Deshalb müssen wir jene stärken, die sich auch weiterhin tagtäglich um das Wohl der Kinder dort zu bemühen haben.“

Weitere Artikel zum Thema finden sie hier:

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/kindesmisshandlung-hilfe-ansprechpartner-kinderschutzbund-100.html

https://www.mz-web.de/querfurt/nachbarn-beklagen-behoerdenversagen-der-grausame-tod-eines-zweijaehrigen-in-querfurt-37018370